… A LITTLE BIT REAL LIFE SOUTHAFRICA…

Natürlich könnte ich jetzt wieder von unserm Alltag berichten oder Fotos von unseren Aktivitäten reinstellen. Mach ích heute aber nicht!

Ich habe die letzten Wochen ein paar Fotos gemacht, außerhalb unseres Estates. Natürlich habe ich auch keine Ahnung vom wirklichen Leben der Afrikaner, aber das was wir bis jetzt mitbekommen haben, holt einen ganz schnell auf die Tatsachen des Lebens zurück.

Vielen Afrikanern ist es egal, ob die Schuhe, die sie anhaben, zu ihrem Outfit passen. Sie sind froh, dass sie Schuhe haben. Als letztens bei uns Handwerker gearbeitet haben, hatte der eine 2 verschiedene Schuhe an. Und beide Schuhe hatten vorne an den Zehen Löcher und die Sohle war durchgetreten. Hab kurz überlegt, ob es Andreas auffallen würde, wenn ein Paar seiner fehlen…

Grundsätzlich stehen hier an Kreuzungen, die viel befahren sind oder aus „Estates“ rausführen, Bettler. Manche noch schwärzer vor Dreck, als sie eh schon sind. In zerrissener Hose und durchlöchertem Shirt. Sie betteln um Geld, Essen oder um Plastikabfälle, die sie dann weiter verkaufen.  Natürlich ist es uns in unserem Sicherheitstraining strengstens untersagt worden, das Fenster zu öffnen.

Einmal sind wir aber schwach geworden. War im Nachhinein auch nicht ganz ungefährlich: Wir waren Mittags beim Pizza-Essen und uns ist eine halbe Pizza übrig geblieben. Wir haben sie uns einpacken lassen um mit nach Hause zu nehmen. An der ersten Ampel (war eine kleine Kreuzung mit wenig Verkehr) stand dann ein Bettler. Und da die Kinder meinten, wir könnten doch ihm die Pizza geben, stieg Johanna aus, machte den Kofferraum auf (da lag auch meine Handtasche drin) und gab ihm die Pizza. In diesem Fall bedankte sich der Mann sehr freundlich. Hätte aber auch anders ausgehen können und die Pizza hätte samt meiner Handtasche weg sein können. Die Afrikaner können ganz schnell laufen… Und wenn es ganz blöd läuft, ist das Auto weg oder er steigt mit ins Auto ein und fährt mit dir zum nächsten Geldautomat…

Wenn man aus unserem Estate durch das Tor hinausfährt, sitzen und stehen links und rechts von der Zufahrtsstraße Tagelöhner. Durch Handzeichen machen sie auf sich aufmerksam. Egal, welche Hilfe du benötigst, sie können sie alles: Malern, Gartenarbeit, Reinigungsarbeiten…

Wenn sie Glück haben, werden sie von Handwerkern, die noch Hilfe benötigen, angeheuert. Ich habe aber in den 2 Monaten, die wir hier sind, noch nie ein Auto oder LKW gesehen, der gehalten hat und einen mitgenommen hat…

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Diese Arbeiter haben bereits einen „festen“ Job und warten auf ihre Chefs, mit denen sie dann auf die Baustellen fahren:

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Links und rechts auf den Bildern sieht man die Mauern der angrenzenden Estates.

 

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Bevor sie das Estate betreten dürfen, müssen sie sich registrieren lassen.

Innerhalb Silver Lakes werden die Handwerker von ihren Chefs mit dem Pickup auf die Baustelle gefahren:

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Aber nicht nur innerhalb eines Estates, sondern auf jeder anderen Straße sitzen die Arbeiter hinten auf der Ladefläche. Auch auf der Autobahn bei 120 km/h.

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Neben nagelneuen

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Maxi hat das Foto gemacht (ich dachte nicht, dass ich es je für einen Beitrag verwenden würde…)

sieht man auch sehr viele ältere Fahrzeuge:

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Am Straßenrand bieten Händler ihre Waren an:

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Im Hintergrund sieht man einen Jakaranda-Baum. Im Oktober blühen sie hier in Pretoria an jedem Straßenrand.

Es werden natürlich auch viele Materalien recycelt. Anfangs habe ich mir gedacht, dass es keine schlechte Idee ist, Blumentröge aus den alten Reifen zu machen. Bis ich dann auf einem Spielplatz gesehen habe, dass diese Tröge ja Schaukeln sind. Man darf sich aber nur mit einer schwarzen Hose darauf setzen und die Hände sind nach dem Schaukeln mehr schwarz als weiß…

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Wir trennen hier auch Müll. Papier, Blech, Glas und Restmüll. Heute morgen war die Müllabfuhr bei uns. Da ich ein Foto machen wollte, habe ich mal ein bisschen zugesehen.  Für den Restmüll haben wir Tonnen (für alles andere Säcke).  Zu einem Müllauto gehören ca. 10 Mann. Einer fährt, 2 stehen hinten drauf und der Rest geht voran durch die Straßen, kippt den Müll mehrerer halbvollen Tonnen in eine Tonne

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und macht sich dann mit den Tonnen auf den Weg Richtung Müllauto…

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Leider war die Batterie meines Fotoapparates nach diesem Foto leer!

Nachdem der Arbeiter ca. 5 Minuten mit den Tonnen unterwegs war, kam aus der Richtung, in die er gegangen ist, das Müllauto. Und ca. 5 weitere Minuten danach kam der Arbeiter mit 6 leeren Mülltonnen aus der selben Richtung… Hmmm, ich glaube, das könnte man rationeller lösen. Aber dann braucht man nicht so viele Arbeiter… Und dann stehen noch mehrere am Straßenrand…

Unser Haushaltshilfe Christina, die 2 Tage der Woche bei uns ist, benötigt morgends 2 1/2 Stunden!!!! für die Anfahrt zu uns. Sie kommt gegen 8.30 Uhr bei uns an und frühstückt dann erstmal Tee und Toast. Mittags bekommt sie ein warmes Essen und um 16 Uhr macht sie sich auf den Heimweg. Wieder 2 1/2 Stunden. Heim zu ihren 4 Kindern.

Die deutsche katholische Gemeinde, in die wir hin und wieder Sonntags in die Kirche gehen, unterstützt ein Waisenhaus ca. 50 km von Silver Lakes entfernt. Dort haben sie letzten Samstag einen „Aktionstag“ durchgeführt und uns gefragt, ob wir mitfahren wollen. Wir sind dann morgens mit Johanna und Maximilan in das Waisenhaus gefahren und da wir noch sehr deutsch sind, d.h.  sehr pünktlich, waren wir die ersten, die dort ankamen. Die Kinder, die auf dem Rasen mit Flaschendeckel gespielt haben, haben uns aber ganz nett begrüßt und die Betreuerin  hat uns rumgeführt und die Schlaf-und Wohnräume gezeigt. Als die anderen kamen, haben wir mit den Kindern aus Salzteig Formen ausgestochen und nach dem grillen, bemalt. In dem Heim wohnen ca. 45 Kinder, zwischen 6 Monaten und 18 Jahren mit 4 Betreuerinnen und einer Sozialarbeiterin. Die 4 Schlafräumen sind nur so groß, dass man zwischen den Stockbetten durchgehen kann. Die Kinder waren alle so nett, so diszipliniert und haben so glücklich ausgesehen, dass es fast ein wenig „unnnormal“ war.

 

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Der Eingang zum Gemeinschaftsraum des Waisenhauses
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Maxi fand gleich einen Freund
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Salzteig kneten
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Ich glaube, das letzte mal „Arbeiten mit Salzteig“ war bei Andreas vor ca. 35 Jahren!!!
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Mädchenschlafraum für 10!!! (9 Mädchen und Alfonso)
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grillen im Garten
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Jedes Kind bekam einen Becher mit Sirupwasser aus dem großen Eimer.

 

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Und zum Essen setzten sie sich wie gewohnt auf den Boden im Schatten.

 

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Semmeln mit gegrilltem Leberkäs und Tomaten
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beim Zeichnen im Gemeinschaftsraum
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Maxi mit Alfonso, der vor einigen Wochen in einer Schachtel auf einem Feld gefunden wurde…

Ich durfte Alfonso sein Mittagessen geben. Maisbrei. Schmeckt und sieht aus wie 24 Stunden gekochter Reis! Das wunderte mich nicht, dass Alfonso das nicht essen wollte. (Obwohl er das anscheinend sonst immer isst, den Bäckchen nach!) Nach einer viertel Stunde gab ich es dann auf und besorgte ihm wenigstens etwas zu Trinken.  Er war seit 3 Stunden wach und bis dahin hatte er noch nichts getrunken.  Es hatte 30°. Ich war ganz glücklich, als er einige Schluck Wasser aus dem Becher getrunken hat. Aber nur kurz! Dann spuckte er alles wieder aus. In meinen Ausschnitt, das aber gleich durchtropfte, da ich ein Kleid anhatte…

Als ich abends im Bett lag und mit der Tag durch den Kopf ging, hatte ich Tränen in den Augen. Zu sehr darf man sich da keine Gedanken machen, sonst zerreist es einem das Herz und ich kann ja nicht mit 45 Kinder zusätzlich in 2 Jahren nach Deutschland kommen…

Jetzt hab ich dann doch wieder von unseren Aktivitäten erzählt….